Medical Beauty

Rotlicht und Nahinfrarot: Fluenz nach Laser und Peel

Cytochrom-c-Oxidase nimmt Photonen um 630 und um 850 Nanometer auf. Abstand, Joule und Photosensibilisierung gehören ins Protokoll.

Von Marc Oberst · 2026-10-11

Licht und Messumgebung in der Nachsorge, bevor eine Maske zur Bildunterschrift wird.

Licht und Messumgebung in der Nachsorge, bevor eine Maske zur Bildunterschrift wird. Bildnachweis: Unsplash. Kommerzielle Unsplash-Lizenz.

Photobiomodulation, in den Kabinen oft noch Low-Level-Laser oder einfach Rotlicht genannt, ist die Abgabe von rotem und nahinfrarotem Licht in Dosen, die Gewebe nicht schneiden und nicht koagulieren. Der am besten untersuchte Chromophor in der Atmungskette ist die Cytochrom-c-Oxidase, Komplex IV. Photonen im roten Bereich um etwa 630 bis 660 Nanometer und im nahen Infrarot um etwa 810 bis 850 Nanometer werden von diesem Enzym absorbiert. In Zellmodellen folgen Verschiebungen im Redoxzustand, eine Freisetzung von Stickstoffmonoxid aus der Bindungsstelle und ein veränderter ATP-Umsatz. Das ist der Mechanismus, über den sich reden lässt. Ein Reel, in dem eine Maske Kollagen um 200 Prozent verspricht, ist keiner. 200 Prozent sind eine Caption. Sie sind keine Fluenz.

Nach einem abtragenden Laser oder einem mittleren Peel ist die Haut eine Wundfläche mit erhöhtem Energiebedarf und mit einer Entzündungsphase, die man nicht mit noch mehr Hitze beantwortet. Genau hier wird PBM in der medizinischen Ästhetik als Nachsorge diskutiert: weniger Rötung, ein schnellerer Verschluss der obersten Schicht, ein ruhigerer Verlauf in den ersten Tagen. am Kosmetikfachhandel München stehen die Paneele trotzdem als eigenes Anti-Aging-Gerät, rot, fotogen, ein bisschen nach Kabine der Zukunft. Die Dosis, die nach einem Eingriff sinnvoll sein kann, ist nicht automatisch die Dosis, die man dreimal pro Woche auf intakte Haut legt, weil der Kalender eine Lücke hat. Lücken sind kein Protokoll.

630 und 850 Nanometer sind keine Synonyme

Rotes Licht um 630 Nanometer wird oberflächlicher absorbiert. Es bleibt näher an Epidermis und oberer Dermis. Nahinfrarot um 850 Nanometer streut tiefer und erreicht Strukturen, die rotes Licht kaum noch sieht. Ein Gerät, das beide Wellenlängen mischt, behandelt zwei Tiefen gleichzeitig, aber nur, wenn beide auch in nennenswerter Bestrahlungsstärke ankommen. Die Bestrahlungsstärke, angegeben in Milliwatt pro Quadratzentimeter, und die Zeit ergeben zusammen die Fluenz in Joule pro Quadratzentimeter. Ohne diese beiden Zahlen ist 20 Minuten Rotlicht eine Stimmung, kein Protokoll. Stimmung lässt sich verkaufen. Wiederholen lässt sie sich nicht.

Die Dosis-Wirkungs-Beziehung von PBM gilt als biphasisch. Zu wenig passiert nichts Messbares. Ein Fenster dazwischen zeigt in Studien die beschriebenen zellulären Effekte. Deutlich darüber können dieselben Wellenlängen hemmen oder reizen. Das ist der Grund, warum mehr Lampen und mehr Minuten nicht automatisch mehr Nachsorge sind. Ein Peel, der die Barriere schon geöffnet hat, verträgt eine andere Fluenz als eine intakte Wange am Montagmorgen. Hersteller, die eine einzige Zeit für alle Indikationen angeben, haben die biphasische Kurve nicht in die Gebrauchsanweisung übersetzt. Die Kurve ist unbequem. Sie ist der Grund, warum das Gerät eine Uhr braucht und kein Bauchgefühl.

Abstand gehört in dieselbe Rechnung. Licht folgt geometrisch dem Abstand. Eine Maske, die auf der Haut aufliegt, liefert eine andere Bestrahlungsstärke als ein Paneel, vor dem die Kundin in einem Stuhl sitzt, mal aufrecht, mal zurückgelehnt. beim Fachhandel wird die Maske ans Gesicht gedrückt und das Paneel in 30 Zentimetern gezeigt. Zurück im Institut muss einer von beiden Werten feststehen, sonst ist die Fluenz von Termin zu Termin ein Zufall. Messen lässt sich das mit einem geeigneten Messkopf, nicht mit der Helligkeit, die das Auge wahrnimmt. Nahinfrarot sieht man kaum. Es wirkt trotzdem, auch wenn das Foto davon langweilig bleibt.

Nach Laser und Peel: ein Zeitfenster, kein Zusatzverkauf

In den Stunden nach einem nicht ablativen oder einem leicht ablativen Eingriff ist die Frage, ob Licht die Entzündungsphase moduliert, ohne zusätzliche Wärme zu bringen. PBM-Geräte, die korrekt kalt bleiben, können in diesem Fenster eingesetzt werden, wenn die Zweckbestimmung die Nachsorge nennt und die Haut nicht mehr offen blutet. Ein frisches, nässendes Areal ist kein Platz für ein Leihgerät aus dem Verkaufsraum. Kühlung, Ruhe und die vom behandelnden Protokoll vorgegebene Pflege kommen zuerst. Licht ist ein Zusatz, kein Ersatz für Wundversorgung. Wer die Reihenfolge dreht, behandelt ein Reel, keine Wunde.

Cytochrom-c-Oxidase absorbiert um 630 und um 850 Nanometer. Die Fluenz in Joule pro Quadratzentimeter entscheidet, ob daraus ATP-Umsatz oder nur ein roter Raum wird.

Studienlage und Kabine bleiben getrennt zu lesen. Es gibt Arbeiten zu schnellerer Reepithelisierung und zu weniger Erythem nach ästhetischen Eingriffen, an definierten Wellenlängen und Dosen. Es gibt auch Arbeiten, die keinen Unterschied finden. Ein Institut zitiert nicht die günstige Studie und verschweigt die Parameter. Es übernimmt die Dosis, die zum eigenen Gerät gehört, oder es lässt den Claim weg. Unterstützt das Hautbild in der Abheilung ist haltbar, wenn das Gerät das hergibt. Heilt den Laserabtrag ist es nicht. Heilung ist ein Wort, das die Zweckbestimmung entweder trägt oder nicht trägt. Die Caption trägt es fast immer. Das ist das Problem.

Die Kombination mit Photosensibilisatoren ist die gefährliche Lücke. Kundinnen nach einer photodynamischen Therapie, oder mit Medikamenten und Pflanzen, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen, gehören nicht unter ein zusätzliches Paneel, weil der Kalender Nachsorge vorsieht. Das Institut verordnet diese Medikamente nicht und setzt sie nicht ab. Es fragt danach und verschiebt Licht, wenn die Antwort positiv ist. Johanniskraut, bestimmte Antibiotika, einige Akne- und Herzmedikamente tauchen in den Listen der Hersteller auf. Die Liste gilt, auch wenn die Kundin sagt, sie vertrage Licht sonst gut. Sonst ist kein pharmakologischer Begriff.

  • Komplex IV, die Cytochrom-c-Oxidase, ist der zentrale Chromophor für Rot und Nahinfrarot in der PBM-Literatur.
  • Etwa 630 bis 660 Nanometer bleiben oberflächlicher. Etwa 810 bis 850 Nanometer reichen tiefer. Die Zahlen sind nicht austauschbar, auch nicht in einem Mischgerät ohne gemessene Bestrahlungsstärke.
  • Fluenz in Joule pro Quadratzentimeter ergibt sich aus Milliwatt pro Quadratzentimeter und Zeit. Ohne festen Abstand, Maske auf der Haut oder Paneel etwa in 30 Zentimetern, ist sie nicht reproduzierbar.
  • Die Dosis-Wirkungs-Kurve ist biphasisch. Mehr Minuten sind nicht mehr Wirkung. Eine Zeit für alle Indikationen übersetzt die Kurve nicht.
  • Nach Peel oder Laser gilt die Zweckbestimmung plus die Frage nach Photosensibilisierung. Ein Reel mit 200 Prozent Kollagen ersetzt beides nicht.
Pipette über einem Serum, der Tropfen noch an der Spitze.
Pipette über einem Serum, der Tropfen noch an der Spitze. Quelle: Unsplash.

Kontraindikationen, die nicht in der Caption stehen

Seriöse Gebrauchsanweisungen nehmen bekannte Malignome im Behandlungsareal aus, ebenso die direkte Bestrahlung der Augen. Nahinfrarot geht durch dünne Lidhaut. Schutzbrillen, die zur Wellenlänge passen, sind keine Dekoration auf dem Sideboard. Schwangerschaft wird von vielen Herstellern ausgenommen. Ein einzelner dramatischer Beleg liegt dafür oft nicht vor. Eine kosmetische Nachsorge ist kein Anlass, ein ungeklärtes Risiko zu fahren. Epilepsie und Lichtempfindlichkeit stehen auf manchen Listen, vor allem wenn das Gerät sichtbares gepulstes Licht nutzt. Wer die Liste am Empfang nicht parat hat, hat das Gerät nicht eingeführt. Eingeführt ist ein Gerät erst, wenn eine Vertretung die Zahlen lesen kann, ohne den Vertreter anzurufen.

Kinder und Jugendliche sind kein Testmarkt für ein Paneel, das für erwachsene Nachsorge nach Peel gebaut wurde. Die Zweckbestimmung nennt die Nutzergruppe. Steht sie nicht dort, wird nicht behandelt. Das ist langweilig und korrekt. beim Fachhandel werden Familienfotos neben den Masken hängen. Sie sind Werbung, nicht Indikation. Ein Kindergesicht auf einem Prospekt ist kein Protokoll für die Kabine am Montag.

Auch die intakte Haut am Nachmittag, ohne vorangegangenen Eingriff, verdient eine eigene Dosis oder gar keine. Tägliche Hochdosis-Sitzungen für Longevity laufen aus dem Fenster der biphasischen Kurve heraus und erzeugen bei einem Teil der Nutzer Trockenheit und Kopfdruck, ohne dass ein Fibroblast davon schneller Kollagen baut. Wenn das Haus PBM anbietet, dann mit einem Ziel: Nachsorge nach einem benannten Eingriff, feste Fluenz, feste Serie, Ende. Offene Dauerkarten ohne Dosis sind ein Abo, keine Photobiomodulation. Abos lieben offene Enden. Enzyme nicht.

Was der Einkauf aus beim Großhandel mitnimmt

Drei Angaben entscheiden über den Kauf, und keine davon ist die Farbe des Gehäuses. Die Wellenlängen, gemessen, jenseits der LED-Bin-Angabe aus dem Datenblatt des Diodenherstellers. Die Bestrahlungsstärke an der Behandlungsdistanz, mit einem Messprotokoll, das nicht älter ist als die letzte Gerätegeneration. Die Zweckbestimmung, die Nachsorge nach ästhetischen Eingriffen entweder nennt oder nicht nennt. Fehlt die dritte, ist das Paneel eine Lampe. Lampen dürfen verkauft werden. Sie dürfen nicht als Cytochrom-Therapie auf der Institutskarte stehen. Therapie ist hier schon das falsche Wort. Nachsorge ist das richtige, und nur dann.

Im Behandlungsraum hängt danach ein Zettel, den auch eine Vertretung lesen kann. Wellenlänge, Abstand, Minuten, Joule pro Quadratzentimeter, für welchen Eingriff, ab welchem Tag danach, bei welcher Hautreaktion abgebrochen wird. Augen zu, Brille auf, Photosensibilisierung abgefragt. Das ist das ganze Protokoll. Es passt nicht in ein Reel, und genau das ist seine Qualität.

Cytochrom-c-Oxidase interessiert sich nicht für die Caption. Sie interessiert sich für Photonen, die in der richtigen Zahl ankommen. Alles andere ist rotes Licht im Raum, hübsch, und folgenlos.