Formulierung und Toxikologie

Mikroplastik 2026: welche Partikel die Kabine noch anfassen darf

Eintrag 78 in REACH sortiert Glitter, Peelingperlen und Kapseln nach Fristen. Sobald das Polymerpartikel aus der Formel geht, ändert sich die Textur auf der Haut.

Von Lin Chen · 2026-10-29

Feines Pulver auf dunklem Grund, im Licht kaum mehr als Staub.

Feines Pulver auf dunklem Grund, im Licht kaum mehr als Staub. Bildnachweis: Unsplash. Kommerzielle Unsplash-Lizenz.

Seit dem 17. Oktober 2023 gilt die REACH-Beschränkung synthetischer Polymermikropartikel, niedergelegt in der Verordnung (EU) 2023/2055 als Eintrag 78 im Anhang XVII. Im Herbst 2026 ist das kein Ankündigungstext mehr. Lose Glitterware und Peeling-Mikrobeads sind bereits draußen. Für viele andere Rinse-off-Formeln läuft die Uhr auf den 17. Oktober 2027. Leave-on folgt 2029. Dekorative Lippen-, Nagel- und Make-up-Produkte haben bis 2035, mit Kennzeichnungspflicht ab 2031. Wer jetzt mikroplastikfrei einkauft, ohne die Partikeldefinition zu prüfen, reformuliert entweder an der falschen Stelle oder zu spät an der teuren.

Was die Definition trifft

Ein synthetisches Polymermikropartikel im Sinn der Beschränkung ist fest. Es sitzt in Partikeln oder als durchgehende Beschichtung auf Partikeln und erfüllt die Größenkriterien: alle Dimensionen bis 5 Millimeter, bei Fasern eine Länge bis 15 Millimeter und ein Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis über 3. Mindestens 1 Prozent der Partikel muss in diesem Fenster liegen. Das Polymer muss mindestens 1 Prozent des Partikels ausmachen. Die Konzentration in der Mischung, ab der das Inverkehrbringen beschränkt ist, liegt bei 0,01 Prozent.

Drei Ausnahmen tragen die praktische Arbeit. Abbaubare Polymere, aber nur nach den Prüfpfaden im Anhang der Beschränkung, nach einem Logo auf der Schachtel nicht. Wasserlösliche Polymere oberhalb der dort gesetzten Löslichkeitsschwelle. Natürliche Polymere, die chemisch nicht verändert wurden. Cellulose kann durch diese letzte Tür. Celluloseacetat in der Regel nicht. Stärke kann. Eine chemisch modifizierte Stärke braucht eine eigene Einstufung. Ein Broschürensatz ersetzt sie nicht.

Filmbildner, die in der Formel gelöst vorliegen und keine festen Partikel mehr sind, fallen nicht automatisch unter denselben Tatbestand wie ein PE-Kügelchen. Dieselbe Polymerfamilie als Pulver, Opacifier oder Glitter fällt sehr wohl. Quellkörper und Mikrogele stuft das Institut nicht selbst als löslich ein. Die Lieferantenerklärung nimmt auf Eintrag 78 Bezug, mit Partikelstatus und Löslichkeit, und, falls beansprucht, mit dem konkreten Abbautest.

Fristen, die den Einkauf 2026 steuern

Mikrobeads zum Peelen und loser Glitter, der als solcher verkauft wird, sind seit Oktober 2023 beschränkt. Ein Studio, das noch ein Glas PET-Glitter neben die Nagellampe stellt, hat kein Übergangsproblem. Es hat ein aktuelles. Glitter, der bereits in einem Nagel- oder Make-up-Produkt steckt, kann je nach Zusammensetzung in der langen Frist für Nagel-, Lippen- und Make-up-Produkte liegen. Das entbindet nicht von der späteren Kennzeichnung. Es entbindet auch nicht davon, die Rezeptur jetzt zu kennen.

Andere Rinse-off-Kosmetik, also vieles, was nach dem Waschen von der Haut geht und keine klassischen Microbeads sind, steht vor dem 17. Oktober 2027. Von heute aus ist das weniger als ein Jahr. Leave-on-Pflege folgt am 17. Oktober 2029. Duftstoffverkapselungen liegen in demselben späteren Fenster. Sie verdienen einen eigenen Rohstoffpass, weil die Kapsel oft genau ein festes synthetisches Polymer ist. Make-up, Lippe und Nagel haben bis 17. Oktober 2035 Zeit. Ab 17. Oktober 2031 müssen sie kenntlich machen, wenn sie noch unter die Definition fallen.

Dazu kommen Informationspflichten in der Lieferkette und Meldungen Richtung ECHA. Wer eine Kabinenmarke oder eine Private-Label-Linie führt, braucht eine Person, die diese Fristen besitzt. Ein jährlicher Check im Qualitätskalender schlägt eine Panik acht Wochen vor dem Stichtag. Die Reformulierung selbst braucht Stabilität, Sensorik und oft eine neue Verpackung. Das passt schlecht in ein Quartal, wenn drei Lieferanten gleichzeitig dieselben Ersatzstoffe suchen.

Die teure Überraschung ist selten das PE-Bead, das jede Einkaufsliste schon gestrichen hat. Es ist das Polymerpartikel, das unter einem anderen Handelsnamen als Weichzeichner, Glitter oder Kapsel weiterläuft.

Kolben und Lösungen auf der Arbeitsfläche einer Formulierung.
Kolben und Lösungen auf der Arbeitsfläche einer Formulierung. Quelle: Unsplash.

Was die Textur kostet, wenn das Partikel geht

Polyethylen- und Polypropylen-Beads, Nylon-12-Pulver, PMMA-Kugeln, PET-Glitter und manche Acrylat- oder Polyurethan-Partikel sind die üblichen Treffer. Sie liefern Scrub, Soft-Focus, Gleiteigenschaft oder einen harten Glanzpunkt. Ersatz ist machbar. Er fühlt sich anders an.

Für Peelings nehmen Formulierer hydrierte Pflanzenwachse, Silica, Cellulose, Salz, Zucker oder gemahlene Kerne. Wachse spreiten milder als PE und schmelzen auf der Haut. Kerne und grobes Silica kratzen stärker, wenn die Korngrößenverteilung schlecht sitzt. Salz löst sich auf. Das Erlebnis endet im Wasser, auf dem Boden des Waschbeckens bleibt es nicht liegen. Genau das will die Regulierung. Die Kundin, die das alte Scrub kennt, merkt den Unterschied in der ersten Anwendung. Im INCI merkt sie ihn nicht.

Soft-Focus ohne Nylon läuft über Silica, Stärke und eine angepasste Pigmentverteilung. Der Weichzeichner wird matter oder ungleichmäßiger, sobald die Partikelgröße danebenliegt. Filmbildner in Mascara und Sonnenschutz bleiben oft erlaubt, solange sie in der verkauften Mischung keine festen Mikropartikel sind. Trocknet eine Dispersion ein und hinterlässt bröselige Polymerfragmente, gehört der Rohstoff neu bewertet. Ein pauschales Streichen aller Acrylat-Copolymere zerstört Textur, ohne den Eintrag 78 sauber zu treffen.

Biologisch abbaubar auf der Schachtel reicht nicht. Der Test muss zum Anhang passen. Ein Polymer, das in einem Kompostwerbespot verschwindet und den gesetzlichen Pfad nicht besteht, bleibt ein synthetisches Polymermikropartikel. Wer damit in die Frist 2027 läuft, reformuliert zweimal.

Erst das Inventar, dann die Haut

Der erste Schritt ist ein Rohstoffinventar, ein neues Etikett kommt danach. Jede Polymerposition, jeder Glitter, jede Kapsel, jedes Pulver. Der Lieferant liefert eine Erklärung zu Partikelcharakter, Löslichkeit, natürlichem Status und Abbau, datiert, mit Produktcode. Handelsnamen ohne chemische Identität wandern auf eine Sperrliste, bis das Dokument da ist.

Danach die Fristklasse. Sofort beschränkt, 17. Oktober 2027, 2029, oder 2035 mit Label ab 2031. Kabinenware, die das Institut selbst abfüllt, trägt dieselbe Pflicht wie die Marke im Regal. Professionell ist hier kein Freibrief. Loser Glitter im Studio ist ein Sofortthema. Er ist kein Übergangsfall der Nagellacke, die noch Jahre auf dem Papier haben.

Dann die Sensorik mit dem Ersatz, an derselben Stelle in der Routine, mit derselben Zielgruppe. Ein Körperpeeling, das milder ist, braucht eine andere Anwendungssprache. Ein Gesichtsprodukt, das kratzt, ist kein Fortschritt. Die Marge leidet, wenn die Ersatzstoffe teurer sind und die Füllmenge gleich bleibt. Das gehört in die Kalkulation, bevor der Claim in den Druck geht. Die Kundin spürt das neue Korn in der ersten Minute. Der Stichtag auf dem Kalender spürt es erst, wenn die Charge schon im Regal steht.