Formulierung und Toxikologie

Clean auf dem Etikett, Wasser in der Emulsion

Pentylenglykol und organische Säuren tragen den Schutz nur in einem engen pH-Fenster. ISO 11930 am echten Packmittel entscheidet, ob die Formel die Gebrauchsdauer hält.

Von Julian Vance · 2026-10-31

Offene Tiegelöffnung, die Creme glatt, der Rand schon vom Finger berührt.

Offene Tiegelöffnung, die Creme glatt, der Rand schon vom Finger berührt. Bildnachweis: Unsplash. Kommerzielle Unsplash-Lizenz.

Der Finger geht in den Tiegel, und mit ihm geht das Badezimmer. Jede Emulsion mit freiem Wasser ist ein Nährboden, sobald Wasseraktivität und pH es den Keimen erlauben und die Temperatur mitspielt. Clean Beauty hat daraus ein Etikett gemacht und Phenoxyethanol, Parabene oder Formaldehydabspalter aus den Rezepturen gestrichen. Streichen ist kein System. Was bleibt, muss die Keimzahl über die Gebrauchsdauer halten, inklusive Finger in der Öffnung. Pentylenglykol, Caprylylglykol, Ethylhexylglycerin und organische Säuren können diesen Job mittragen. Sie tun es in einem pH-Fenster, in einer Dosis, und nur dann, wenn ISO 11930 das für diese Formel zeigt.

Was der Challenge-Test prüft

ISO 11930 beschreibt die Bewertung des antimikrobiellen Schutzes eines kosmetischen Mittels. Geimpft wird mit einem Satz aus Bakterien und Pilzen: Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Candida albicans und Aspergillus brasiliensis. Gezählt wird über ein Zeitfenster von Tagen bis vier Wochen. Kriterium A ist der strengere Pfad. Kriterium B ist ein bedingtes Bestehen. Es verlangt im Sicherheitsbericht eine Begründung, warum Verpackung, Anwendung und Risiko trotzdem tragen.

Ein Test an der Laborcharge ist nicht automatisch ein Test am abgefüllten Handelstiegel nach acht Wochen Warmlager. Konservierung kann an der Verpackung adsorbieren. Sie kann mit Tensiden komplexieren. Sie kann im pH-Drift der Emulsion nachlassen. Wer nur die Frischprobe besteht und das Stabilitätsmuster nicht wiederholt, kennt den Launch. Den Monat sechs kennt er damit noch nicht.

ISO 29621 grenzt Produkte mit geringem mikrobiologischem Risiko ab: sehr niedrige Wasseraktivität, extreme pH-Werte, ausreichend hoher Alkohol, wasserfreie Systeme unter definierten Bedingungen. Eine klassische O/W-Creme fällt dort nicht hinein. Ein wasserfreies Ölbad kann hineinfallen, solange im Gebrauch kein Wasser eingeschleppt wird. Der Tiegel im Bad ist genau diese Einschleppung. Die Norm rettet keine offene Dose mit feuchten Fingern.

Glykole sind Hürden

Pentylenglykol, chemisch 1,2-Pentandiol, ist Feuchthaltemittel und formulierungstechnisch ein Verstärker. Es senkt die Wasseraktivität mit und stört Membranen, wenn die Konzentration reicht. In vielen Systemen liegen die Einsatzmengen im Bereich weniger Prozent, oft zusammen mit weiteren Glykolen. Als alleiniger Schutz in einer neutralen, wasserreichen Emulsion bei 1 Prozent bleibt es ein Wunsch. Ein Design ist das nicht.

Caprylylglykol und Ethylhexylglycerin arbeiten in derselben Logik, häufig als Booster neben einem klassisch gelisteten Konservierer. Wer den gelisteten Stoff streicht und den Booster behält, hat die Hürde verändert und muss neu prüfen. Der Booster steht oft nicht in Anhang V, weil er mit einer anderen Hauptfunktion gemeldet wird. Die antimikrobielle Wirkung bleibt trotzdem eine Wirkung. Ein Claim konservierungsmittelfrei ist dann an der Verordnung über gemeinsame Kriterien für Werbeaussagen zu messen. Wenn der Stoff die mikrobielle Stabilität trägt, führt frei in die Irre.

Phenoxyethanol bleibt in der EU in Anhang V zulässig, mit Höchstmenge 1 Prozent. Es ist kein verbotener Stoff. Clean ist hier eine Markenentscheidung. Eine Rechtslücke, die man mit Glykolen überspringt, ist es nicht. Wer Phenoxyethanol ersetzt, ersetzt ein breites, pH-robustes Molekül durch ein Ensemble, das enger geführt werden muss. Das kann sensorisch angenehmer sein und geruchlich leichter. Sicherer ist es damit nicht von selbst.

Ein Glykol auf der INCI ist kein Challenge-Test. Kriterium A oder ein begründetes Kriterium B gehört in den Sicherheitsbericht, bevor das Wort clean in den Druck geht.

Pipette über einem Serum, der Tropfen noch an der Spitze.
Pipette über einem Serum, der Tropfen noch an der Spitze. Quelle: Unsplash.

Säuren arbeiten, solange der pH sie lässt

Benzoesäure und Sorbinsäure, eingesetzt als Natriumbenzoat und Kaliumsorbat, sind Anhang-V-Stoffe mit eigenen Höchstmengen. Wirksam ist der undissoziierte Säureanteil. Der bricht ein, sobald der pH steigt. Sorbat verliert oberhalb von etwa 4,5 deutlich an Kraft, Benzoat oberhalb von etwa 5,5. Eine Creme, die aus Sensorikgründen auf pH 6,2 gestellt wird, behält die INCI-Zeile und verliert die Wirkung.

Deshalb scheitern viele Systeme mit natürlichem Ruf am pH-Konflikt mit der Hautverträglichkeit und mit anderen Wirkstoffen, am Rohstoffregal scheitern sie seltener. Ein saures Fluid verträgt Sorbat besser als eine reichhaltige Creme nahe pH 6. Kombinationen aus Glykolen und Säuren, manchmal mit einem klassischen Stoff daneben, sind der übliche Weg. Die einzelne Pflanze mit konservierendem Ruf trägt ihn nicht. Pflanzenextrakte mit einer Labor-MIC gegen einen Keim ersetzen den Test in der echten Emulsion nicht, mit echter Verpackung und echter Impfkeimzahl.

Herstellungshygiene nach ISO 22716 entscheidet mit. Ein durchdachtes System holt keine Charge ein, die schon mit hoher Ausgangskeimzahl aus dem Kessel kommt. Wasserqualität, Reinigung der Abfüllung, offene Standzeiten und das Personal an der Tiegelstrecke gehören in dasselbe Gespräch wie Pentylenglykol. Der Challenge-Test prüft den Schutz gegen Eintrag im Gebrauch. Einen unreinen Herstellprozess spricht er nicht frei.

Das Packmittel und der Claim

Der Tiegel ist der härteste Fall: große Öffnung, Finger, Wärme im Bad. Die Pumpe und das Airless-System senken den Eintrag. Dieselbe Formel kann im Airless Kriterium A schaffen und im Tiegel scheitern. Oder sie besteht im Tiegel nur mit einer höheren Glykoldosis, die dann klebt und die Sensorik kippt. Wer eine Linie in drei Packmitteln anbietet, testet drei Expositionen oder begrenzt die wasserreiche Formel auf das dichteste Packmittel.

Aufbrauchfristen sind Teil des Systems. Ein Symbol mit 6 oder 12 Monaten ist nur glaubwürdig, wenn der Test und die Stabilität dazu passen. Nachfüllen aus dem großen Salonkanister in den offenen Tiegel setzt die Prüfung außer Kraft. Kabinenware braucht eine Dosierlogik, die nicht über den Rand des alten Tiegels läuft.

Für den Claim gilt eine einfache Regel. Entweder die Formel enthält einen Anhang-V-Stoff und sagt das in der INCI, oder sie trägt den Schutz über andere Stoffe und verzichtet auf konservierungsmittelfrei, solange diese Stoffe genau dafür benötigt werden. Unparfümiert. Ohne Phenoxyethanol. Ohne Parabene. Das sind engere, belegbare Sätze. Sie verkaufen sich schlechter als clean. Eine Nachfrage der Aufsicht überleben sie besser. Der Finger im Tiegel merkt von diesem Satz nichts. Er merkt, ob die Creme in Woche sechs noch nach Creme riecht.